ANNATINA GRAF

VERTRETERIN DER FRAUENPOWER

 

Als Anerkennung für ihr Kunstschaffen erhielt die Solothurner Künstlerin Annatina Graf den Fontana-Gränacher-Preis.

 

Eine feierliche und aufgeräumte Stimmung herrschte am Dienstagabend im Foyer des Kunstmuseums Solothurn. Zum ersten Mal vergab die Fontana-Gränacher-Stiftung ihren jährlichen Förder- und Anerkennungspreis ausserhalb des Kantons Zürich und wurde in Solothurn fündig.

 

Sie erkürte die Solothurner Kunstschaffende Annatina Graf zur Preisträgerin 2007 über 20000 Franken. Christoph Vögele, Direktor des Kunstmuseums und Gastgeber, bezeichnete Grafs Wahl als eine grosse Ehre für die ganze Solothurner Kulturfamilie. Ein Zufallstreffer ist er aber nicht. Vögele: «Sie repräsentiert mit Künstlerinnen wie Victorine Müller und Raffaella Chiara – beide in den letzten Jahren ausgezeichnet mit eidgenössischen Preisen – und anderen, jungen Künstlerinnen, die Solothurner Frauenpower.»

 

Irene Stoll, Kunsthistorikerin und Stiftungsrätin der Fontana-Gränacher-Stiftung, würdigt das Schaffen Grafs, welches sich in den letzten Jahren mit dem Thema des Erinnerns auseinandersetzte.

 

Umfeld dokumentieren

So schuf sie für die Sammlungsausstellung «orten» des Kunstmuseums 2005 eine wichtige Videoinstallation. Darin dokumentierte sie die Geschichte der Sammlung, aber auch der Beziehungen zwischen Sammlern, Künstlern und dem Publikum. Malerei und digitale Bildbearbeitung, oft auch kombiniert miteinander, sind Grafs bevorzugte Ausdrucksmittel. Die Motive bezieht sie aus ihrer unmittelbaren Umgebung.

 

Als Beispiele erwähnte Stoll die Arbeiten «unverblühmt», 2003 im Künstlerhaus S11 in Solothurn gezeigt, und «Wasserzeichen», 2005 Chelsea Galerie, Laufen. Innen und aussen würden bei «unverblühmt» ineinanderfliessen und Raum für Fiktionen schaffen, sie erschienen als mögliche Nervenstränge und Knotenlinien des Erinnerns. Bei «Wasserzeichen» erzeugt eine Schwimmerin – die damals 8-jährige Tochter Laura – ein individuelles Wellenmuster. Sehr persönlich ist auch die Serie «Idylle», in der Graf eine Videokamera in ihrer Küche installierte.

 

Annatina Graf wurde 1965 in Zürich geboren und wuchs in Chur auf. Von 1986 bis 1998 lebte sie im Laufental und besuchte Kurse an der Schule für Gestaltung Basel. Seit 1998 lebt die Künstlerin in Solothurn und absolvierte in den letzten beiden Jahren die Ausbildung zum Master of Advanced Studies im Bereich Digital Media an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern.

 

Die Bildhauerin Annemie Fontana verfügte in ihrem Testament die Errichtung einer Stiftung. Diese wurde nach ihrem Tod am 25. Oktober 2002 im Frühjahr 2003 aktiv. Stiftungszweck ist die Unterstützung förderungswürdiger Künstlerinnen in der Schweiz der Sparten Malerei und Bildhauerei durch Stipendien. Annatina Graf ist die sechste Preisträgerin.

 

Hanspeter Flückiger in Solothurner Tagblatt, 13.12.2007