TAGE

 

«Kunst zu schaffen ist für Annatina Graf existentielle Notwendigkeit, d.h. beim Malen ist sie ganz bei sich, gibt sich auch ganz in die Malerei hinein. Folglich geben die Bilder auch unterschwellig Auskunft darüber, was sie im Innern beschäftigt. Das hat nichts mit therapeutischem Gestalten zu tun als vielmehr mit einem bei ihr stark ausgeprägten genuinen Impetus, der das einst selbst Erlebte, Gesehene und Gefühlte mit den Gegebenheiten der gegenwärtigen Wirklichkeit in einen ständigen Dialog treten lässt. Im Laufe der letzten Jahre haben sich ihre Bezugspunkte jedoch verschoben. Während sie in ihrer umfangreichen Serie «erinnern» ihre zum Malen wichtige innere Anteilnahme mittels älterer Fotos ihrer Kinder Andri und Laura evozierte, setzt sie sich in ihren gegenwärtigen «Tage»-Bildern mit alltäglichen Situationen und ihr zufallenden Ansichten auseinander, welche bei ihr auf so viel Resonanz stiessen, dass sie diese fotografisch festhielt.

«Tage» ist eine farblich stimmige – da mehrheitlich in gedämpften Farben gehaltene – Serie von Bildern einheitlichen Formats. Mittels der einheitlichen Farbgebung sieht sich der Betrachter einer Fülle von quasi Traumbildern gegenüber, die untereinander in Beziehung stehen, und erst beim nahen genauen Hinsehen macht man die unterschiedlichsten Motive aus, die rational betrachtet nichts miteinander zu tun haben, ausser, dass sie von Annatina Graf fotografiert worden sind. Am Computer behandelt sie die Fotos und zwar jede Farbe für sich. Im von ihr gesteuerten Zusammenspiel der Farben entsteht dann das Bild, welches sie wiederum in Malerei umsetzt. Durch diese zweimalige Verwandlung wird das Ausgangsmotiv zuweilen unkenntlich, verliert seine individuelle Dinglichkeit. Gleichzeitig gewinnt das noch Erkennbare etwas Archetypisches...».

 

 

Roswitha Schild, Kunsthistorikerin