ANNATINA GRAF

PREIS DER FONTANA-GRÄNACHER-STIFTUNG AN ANNATINA GRAF

 

Die mit einem Legat der Schweizer Plastikerin Annemie Fontana (1925-2002) dotierte Fontana-Gränacher-Stiftung vergibt den Werkpreis 2007 in Höhe von 20’000 Franken an die in Solothurn lebende Bündner Multimedia-Künstlerin Annatina Graf (geb. 1965). Es ist die erste Auszeichnung überhaupt für die seit 1990 künstlerisch tätige Autodidaktin mit Nachdiplom-Studium in Digital Media an der Hochschule Gestaltung und Kunst in Luzern (Abschluss 2007). Die Jury (Inge Fuchs, Irene Stoll, Kaspar Toggenburger) befand ihr Schaffen zwischen Körper, Raum und Leben  als dasjenige mit dem «grössten Potenzial» unter den sich Bewerbenden. Charakteristisch ist der fliessende Wandel zwischen Video, Fotografie und Malerei einerseits, zwischen Realität und Erinnerung andererseits. So wie sich  Erlebtes und Erinnertes zwischen Realität und Fiktion bewegen, so changiert Graf auch zwischen virtuellen (technischen) und mit dem Körper direkt in Verbindung stehenden Medien wie Malerei oder Zeichnung. 2006 interpretierte sie unter anderem Bilder aus dem Fotoalbum als fluide Erinnerungen an das reale Sujet in silbriger Grau-Malerei auf Baumwolle. Im selben Jahr liess sie aber auch Menschen in einer Video-Arbeit Erinnerungen an ihre Lieblingsbilder formulieren. 2007 geht sie einen Schritt weiter: Sie überträgt fotografierte TV-Bilder (aus der Sendung Music Star zum Beispiel) respektive Videostills ihrer TV schauenden Kinder auf dieselbe, mit Software-Unterstützung auf die Grundfarben reduzierte, malerische Ebene (Acryl auf Papier). Und erreicht so eine vielschichtige Umsetzung von Wahrnehmung im multimedialen Lebensalltag des 21. Jahrhunderts. Der Preis wird der Künstlerin am 11. Dezember 19 Uhr im Kunstmuseum Solothurn übergeben.

 

Annelise Zwez in: Kunstbulletin 12, November 2007