NIGHTSHOTS

 

... Annatina Graf setzt die Fotoserie Jugendlicher in einer subtilen Malweise um, indem sie auf einen Silbergrund mit weisser Acrylfarbe malt. Der schillernde Malgrund lässt die Bilder in wechselnder Intensität erscheinen, bisweilen kippt das Bild auch schon Mal ins Negativ. Diese fürs Auge schwer fassbare Malerei lässt die nach Identität suchenden Jugendlichen noch unfassbarer erscheinen.... Christian Greutmann, Galerie Gluri Suter Huus, Wettingen, 2009 Annatina Graf geht von Fotos aus. Das ist heute eine gängige Praxis, oft um durch Projektion das Zeichnen zu übergehen; das mag auch hier mitspielen, aber wichtiger ist, dass die Fotos als Fotos Teil unseres heutigen Lebensstiles sind, der sich im Extremfall stärker durch Abbilder als durch Realbilder kennzeichnet. Alles ist Pose. Auch die Jugendlichen, die sich zu nächtlicher Stunde im Photomat in Szene setzen, wollen sich als Bilder sehen, nicht als Menschen fotografisch ergründen. Es sind die Rollenspiele des Teenager-Alters. (...) Annatina Graf nimmt die inszenierten Schnappschüsse, projiziert sie auf die Leinwand und malt sie – nicht naturalistisch, sondern reduziert auf Lichtwerte, dem Effekt der Vergrösserung folgend unscharf; so, dass sie die Betrachtenden zuweilen erst auf den zweiten Blick in Raum und Realität zurückversetzen können. Damit führt sie eine fiktive, eine zeitliche und eine emotionale Ebene ein. Sie malt die Bilder als wären sie ein Tagtraum, als wären sie die Erinnerung der Malenden an ihre eigene Jugend, als wären es die Jugendliche, die in 30 Jahren auf ihre Teenager-Zeit zurückblicken. Die Bilder verlieren in der Umsetzung an Individualität, werden Teil von etwas Kollektivem, öffnen sich den Vor- und Rückwärtsträumen von uns allen.

 

Annelise Zwez, Kunstkritikerin, 2009