ANNATINA GRAF

MIT VIEL TALENT UND STETEM WILLEN

 

Auszeichnung   Die Solothurner Künstlerin Annatina Graf erhält den mit  20'000 Franken dotierten Fontana-Gränacher Preis. Für Kunst als Resultat ihrer kreativen Unruhe.

 

Sie lebt ihn, den Traum jeder aktiven und kreativen Frau, die sich nicht zufrieden gibt mit dem, was sie hat. Seit zehn Jahren bietet Annatina Graf  ihrer Familie ein  Heim und ist  gleichzeitig  Künstlerin, mit vollem Einsatz und nicht nur 'en passant'. Ständig bildet sie sich weiter, fordert sich viel ab. So auch vor drei Jahren, als die Kinder von engen Freunden betreut werden, während die Künstlerin mit ihrem Lebenspartner Jörg Mollet fünf Wochen im Open Atelier Amsterdam arbeitet. Nebst der Familien- und der Teilzeit-Erwerbsarbeit als Primarlehrerin schafft sie die Ausbildung in Digital Media an der Luzerner Hochschule für Gestaltung und Kunst. Wenn ihre beiden Kinder in der Schule sind, sitzt sie am Computer oder malt, fotografiert, zeichnet. Mit dieser kreativen Kraft und den künstlerischen Resultaten hat sie nun die Fontana-Gränacher Stiftung überzeugt, die sie mit dem diesjährigen Preis auszeichnet.

Die Stiftung unterstützt förderungswürdige Künstlerinnen in der Schweiz, die Mitglieder der Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen oder Mitglieder von visarte, dem Berufsverband visuelle Kunst - Schweiz sind, mit Stipendien.

 

«Ich habe es nicht erwartet», sagt Annatina Graf zur  Ehrung. Diesen Sommer reicht sie ein Dossier ein, den Beschrieb einer aufwändigen, interaktiven Installation im Rahmen des eben abgeschlossenen Studiums in Luzern. In der Balsthaler Galerie Rössli zeigt Graf bereits im Frühjahr eine erste Version der Ausführung. «Im Lichte der Erinnerung» bietet die Möglichkeit, Bilder auf einer Tapete erscheinen zu lassen, abgerufen durch die eigene Körperwärme. Die Fotos von berührenden, speziellen oder beiläufigen Familienszenen bearbeitet sie im Fotoshop oder als Zeichnung im Flash.  Dazu gesellt sie verblasst wirkende Gemälde, mit Silber auf Baumwolle gemalt. Es sind kleine Idyllen, die es bleiben, weil die Erinnerung an die Momente und Szenen langsam verblasst, ähnlich wie das Gute der Vergangenheit, das im Nachhinein meist stärker im Gedächtnis bleibt, als das Schlechte.

 

Annatina Graf ist in Chur aufgewachsen. Die heute  42jährige ist als Primarlehrerin im Laufental tätig, bis sie vor zehn Jahren mit ihren beiden Kindern nach Solothurn zieht. Wie die Stifterin des Preises, die  1925 geborene Künstlerin Annemie Fontana, die ihren Erstberuf als Couturière mit der Zeit als Ablenkung vom Eigentlichen, von der Kunst, empfand, wendet sich Graf langsam vom Schuldienst  ab. Sie besucht bereits in den 90er Jahren Kurse an der Gewerbeschule Basel und beschäftigt sich in der Malerei und der Zeichnung, in Videos und Installationen fortan mit dem Körper, gefolgt von Gedanken mit dem Fokus nach innen. Bereits an der Edition 2003, der Internationalen Triennale für Originaldruckgrafik Grenchen  und drei Jahre später im Kunstmuseum Solothurn zeigte Graf  in Videoinstallationen, wie sich der Mensch erinnert, an Bilder und Ereignisse. Diese Arbeiten hat Graf weiterentwickelt und für diesen künstlerischen Ansatz wird sie nun ausgezeichnet.

Eine Aussage Annemie Fontanas von 1970  scheint auch auf die Preisträgerin zuzutreffen: «Eine Frau die Talent hat und den starken Wunsch, etwas aus ihren Gaben zu machen, weiss instinktiv, was sie zu tun hat. Und keine Macht der Welt wird sie daran hindern, es zu tun.»

 

Pia Zeugin in: Solothurner Zeitung, 5.12.2007