Idylle

 

Die Serie «Idylle» behandelt ebenso wie «Erinnern» eine an sich ganz persönliche Thematik. Über mehrere Tage hinweg hatte Annatina Graf eine Videokamera fest in ihrer Küche installiert mit Ausblick auf die Fensterfront. In regelmässigen Abständen nahm die Kamera kurze Sequenzen von dem, was sich in der Küche abspielte, auf. Somit entstand etwas wie ein Blick von aussen, da sich dank dieses Verfahrens die Bilder nicht stellen lassen.

Wikipedia definiert das Idyll folgendermassen: «Der Ausdruck «Idyll» bezeichnet heute harmonisch verklärtes ländliches Leben. Man meint damit meist ein Bild oder einen Zustand, die auf den Betrachter beschaulich und friedlich wirken. Das Wort stammt vom Griechischen eidyllion und bedeutet ursprünglich ‚kleines, eigenständiges Gedicht’».

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Wie «kleine, eigenständige Gedichte» wirken denn auch die «Idyllen», diese mittels Licht geschaffenen, intimen Stimmungsräume. Beim Sichten des Filmmaterials war Annatina Graf aufgefallen, dass im Grunde das im Tagesverlauf wandernde Licht der Hauptprotagonist in der Küche war, dass die Menschen dort hingegen im Grunde austauschbar wären, unterscheiden sich ihre Handlungen doch kaum von Handlungen anderer Menschen in anderen Küchen.

 

Roswitha Schild in: Im Lichte der Erinnerung. Edition Hirschkuh, Kleinlützel. 2007.