ANNATINA GRAF

HAUT - ORGANISCH UND MINERALISCH

 

Die Haut grenzt den Körper zur Umwelt ab, auf ihr spiegelt sich die Befindlichkeit eines Menschen, an der Haut wird das Alter ersichtlich. Haut ist ein Medium. Haut ist ein Organ. Haut ist ein Universum für sich.

 

Die in Solothurn lebende Annatina Graf richtet ihr Augenmerk auf eine kunstgeschichtliche Tradition, dem Malen von menschlicher Haut, Inkarnat genannt. Dieses isoliert sie aus dem Kontext der dazugehörigen menschlichen Figur. Die Haut bildet die Schnittstelle von innen und aussen. Haut verhüllt das Fleisch, enthüllt den Körper. Die Haut ist ein Medium, das mehr über einen Menschen erzählt, als ihm bisweilen lieb ist. Haut wird bedeckt.

Annatina Graf legt sie frei, gewährt in ihren Bildern den Blick auf ihre Haut. Voyeurismus entsteht nicht. Die Künstlerin ist keine Exhibitionistin. Sie zeigt Körperstellen nicht explizit.

Das Abbild der Haut wird durch den Malvorgang abstrahiert: wird zu einem Stück reiner Malerei. In Rottönen gehaltenes Acryl auf Baumwolle. Hautunregelmässigkeiten, Poren und Muttermale gehen in Landschaft über

 

 

Anna Bürkli, Solothurner Zeitung, 27.02.2002