Annatina Graf lässt in FACES nach Farbwerten aufgeschlüsselte Fragmente von Aufnahmen ihres eigenen Gesichtes mit dem «Special Effect» des sogenannten «morphing» stufenlos und von sphärischer Musik unterlegt ineinander übergehen. Dadurch erhält dieses im Kern eigentlich klassische Porträt mit Kopf und Schultern immer wieder neuen Ausdruck. Wobei die Wirkung durch die Teilauflösung des naturalistischen Bildes in fleckenartige Hell-Dunkel-Verläufe maskenartigen Charakter hat, der sowohl theatralisch wie psychisch interpretiert werden kann. (...)

Annelise Zwez

 

Unweigerlich setzt bei der Betrachterin ein Prozess ein, in welchem sie ihre eigene Stimmungslage prüft, Erinnerungen aufkommen lässt an Situationen, wo diese oder jene Gefühlslage sie beherrscht hatte. Fast paradoxerweise wird dem Betrachter die Identifikation mit den durch die digitale Bildbearbeitung weitgehend abstrahierten Selbstaufnahmen erleichtert. Gerade weil die Künstlerin als reale Person – also als ein zu identifizierendes Gegenüber – in der Projektion nicht erkennbar ist, lenkt sie den Blick vom Äusseren ins Innere. Diese Vorgehensweise, über die Selbstbetrachtung, die Fokussierung auf einen Körperteil, der die Erinnerung aktiviert, ins Innere zu gelangen, lässt sich über Annatina Grafs gesamtes Schaffen hinweg verfolgen.

Roswitha Schild