Blütezeit» ist zunächst der Titel der jüngsten computerbearbeiteten Videoarbeit von Annatina Graf (2008). Sie zeigt, reduziert auf schwarzweiss, bildnerisch frei gestellte Mädchengestalten, die mit geschmeidigen Bewegungen aus einem unsichtbaren Vorhang heraustreten und, zuweilen winkend, wieder darin verschwinden. Das filmische Ausgangsmaterial entstand während einer «Modeschau» am Geburtstagsfest von Grafs Tochter Laura als diese, 2005, zehn Jahre alt wurde. Der Begriff «Blütezeit», der hier Titel gebend ist, wird in China nicht nur mit der Zeit des Blühens in Verbindung gebracht, sondern, im übertragenen Sinn, auch mit der erwartungsreichen Zeit, wenn Kinder zu Erwachsenen werden. In Europa nennen wir diesen Übergang ziemlich nüchtern «Pubertät» und meinen damit eher Pickel und Probleme als Poesie. Doch Annatina Graf sucht – wohl mehr in sich selbst als in der Projektion auf ihre Kinder – bewusst die subtilen Momente der Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte, die sich in dieser Zeit eröffnen. Der multimedialen Praxis der Künstlerin entsprechend, stehen auch die aktuellen malerischen Werke unter demselben Titel.

 

Annalise Zwez in: Blütezeit, Edition Hirschkuh, Kleinlützel. 2008.